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 Humboldt als Verbrecher?
Wettbewerb Kunst am Bau - Humboldtforum Berlin 2025

Arch. DI Dr. techn. Gerhard Vana
DI Karin Müller-Reineke


In diesem Entwurf wird ein Scherenschnitt Alexander von Humboldts, dem Namenspatron des Museums, mit der Zeichnung eines polynesischen Tattoos samt Ohrenpiercing überlagert, die von Sydney Parkinson als Teil der Besatzung der Endeavour 1769 angefertigt wurde. Damit wird einerseits die Aneignung indigener Kulturtechniken, andererseits die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses thematisiert. Die Diskussion über die Angemessenheit der Schlossfassaden ist der frühen Moderne geschuldet und führt Gedanken weiter, die beispielsweise von Adolf Loos mit seinem Text Ornament und Verbrechen 1908 in die architekturtheoretische Diskussion eingebracht wurden. Das Ornament wird dort von ihm als Teil einer niedrigeren Kulturstufe dargestellt, für die bekanntermaßen die Papua herhalten mussten:

"Das kind ist amoralisch. Der papua ist es für uns auch. Der papua schlachtet seine feinde ab und verzehrt sie. Er ist kein verbrecher. Wenn aber der moderne mensch jemanden abschlachtet und verzehrt, so ist er ein verbrecher oder ein degenerierter. Der papua tätowiert seine haut, sein boot, sein ruder, kurz alles, was ihm erreichbar ist. Er ist kein verbrecher. Der moderne mensch, der sich tätowiert, ist ein verbrecher oder ein degenerierter."


(Adolf Loos: Ornament und Verbrechen, 1908)




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